| OTZ Leserbrief |
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Fragwürdiger Fortschritt zum Leserbrief: "Pro Fortschritt" am 28.12.2010 Ein Leserbrief in einer Zeitung läuft Gefahr, mangels Platz gekürzt zu werden. Dieses Schicksal wurde auch meinem Leserbrief zuteil, weshalb ich ihn nochmal hier vollständig veröffentliche: Verschwendung öffentlicher Gelder ist immer wieder ein gern genommenes Thema, da es sich offensichtlich nicht abnutzt. Alljährlich führt der Bund der Steuerzahler Projekte auf, in denen Milliarden an Steuergeldern verschwendet werden. Nun will ich nicht behaupten, dass ein Tunnelbau in Schaala a priori eine Verschwendung von Steuergeldern ist – dazu habe ich mich mit diesem Projekt zu wenig beschäftigt – aber 66 Mio Euro sind doch nur für wenige Auserwählte Peanuts. Und sollte tatsächlich eine sich ständig verbessernde Infrastruktur Einfluss auf die demografische Entwicklung haben, dann jedenfalls keinen guten. Der Trend des Bevölkerungsrückganges und der -überalterung ist nach wie vor im Gang und wird sich auch durch einen Tunnel nicht aufhalten lassen. Meiner Meinung nach brauchen wir einen Fortschritt, der sich für einen großen Teil der Gesellschaft lohnt, nur dann ist es auch Fortschritt. Es muss sich lohnen hier zu bleiben und hier zu arbeiten, und das tut es nicht bei rekordverdächtigen Niedriglöhnen im Deutschland-Vergleich. Auch das aufgeführte „Ackermann-Beispiel" für zurecht gut bezahlte Verantwortungsträger hinkt wohl etwas. Es kann nämlich nicht jemand für Verantwortung bezahlt und die Gesellschaft zu dieser Verantwortung gezogen werden. Wenn man, wie vor Ort geschehen, gute Straßenbeläge abfräst und neu aufträgt, während gleichzeitig Schulen auf Investitionen warten, verkommt die Forderung, in Bildung zu investieren zur hohlen Phrase. Das kann man nicht vergleichen, werden jetzt einige einwenden. Aber mit Denken in Schubkästen werden wir die heutigen Probleme der Bevölkerungsentwicklung nicht lösen können. Dabei gibt es interessante Lösungsansätze wie z.B. die vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung vorgeschlagenen Modellregionen (www.berlin-institut.org). Leider hat der vielversprechende Auftakt mit einem Vortrag vor drei Jahren kein Echo gefunden. Und die Zeit rennt uns davon. Steffen Günsche |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 31. Dezember 2010 um 02:11 Uhr |


