Italienisches Flair in Rudolstadt PDF Drucken E-Mail
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Selbst manch gestandener Rudolstädter wird beim Anblick des wunderschönen Innenhofes im ehemaligen Bianchi-Haus kaum vermuten, dass dieser inmitten der ehemaligen Residenzstadt zu finden ist. Und doch ist es so. Betritt man die Rudolstädter Marktstraße 48, fühlt man sich unwillkürlich nach Italien versetzt – ein Muss für jeden, seinen Besuch einmal an diesen Ort zu führen. Die Holzschnitzereien auf der zweistöckigen Galerie stammen aus den 70er Jahren des 19. Jahrunderts. Und der Turm mit seiner kleinen Uhr auf dem Quergebäude des Hinterhauses erinnert ein bisschen an Venedig. Der gusseiserne Brunnen rechts im Hof hat bis vor wenigen Jahren noch Grundwasser geliefert. Eine aufgrund ihres Alters kostbare eiserne Platte wurde bei Abbrucharbeiten gefunden und ist nun an der Hausmauer des Nebengebäudes befestigt. Auf ihr ist die Jahreszahl 1580 zu erkennen.

Das Haus an sich ist um 1512 erbaut worden und war von 1745 bis 1902 im Besitz der Familie Bianchi, die 1751 außerdem das westlich angrenzende Stück als Hausgarten kaufte. Es wurde ein Geschäft für Schnitt- und Materialwaren eingerichtet, und auch ein Weinhandel wurde betrieben. 1780 wurde der erste katholische Gottesdienst in diesem Haus abgehalten, da die Bianchis streng katholisch waren. Sogar die Freimaurer-Loge wurde zu dieser Zeit hier gegründet.

Überliefert ist, dass der Kaufmann Bianchi durch französische Truppen geplündert wurde, die nach dem Gefecht von Saalfeld 1806 hier durchmarschiert waren, sich an Ort und Stelle betranken und alles Essbare als Proviant mitnahmen. Der 1817 ausgebaute Weinkeller befindet sich noch heute in gutem Zustand. Ebenfalls in dieser Zeit wurde das westliche Seitengebäude erbaut, in dessen mittleren Etage der katholische Gottesdienst abgehalten wurde. Ein Hinweis vom 7. April 1808 im „Rudolstädtischen Wochenblatt“: „Denen allhier und in hiesiger Gegend sich befindenden Katholiken wird andurch bekannt gemacht, daß zu bevorstehenden Osterfeyertagen in der Bianchi'schen Hauskapelle ein Geistlicher sich einfinden und Gottesdienst halten und daß, nach dreimaligem Läuten der, mit gnädigster Erlaubnis, und durch freywillige Beiträge deshalb angeschafften Glocke, der Gottesdienst angehen wird.“

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Sieben Generationen führten das Geschäft fort, und der „letzte Bianchi“ stiftete im Jahre 1912 20.000 Goldmark zum Neubau des Rathauses, wofür die Stadt zum Dank in der oberen Naumannstraße zum Hainweg eine „Bianchi-Laube“ errichtete. Von hier aus hat man heute, aus einem kleinen Wetterhäuschen, welches ca. 1960 wegen Zerfall erbaut wurde, einen schönen Blick über Rudolstadt.

[angelehnt an einen Artikel aus dem Allgemeinen Anzeiger vom 30.12.1996 von Rolf Küpper]

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 01. Dezember 2010 um 00:05 Uhr