Auf Schillers Spuren PDF Drucken E-Mail

Liebe Gäste,

dieser kleine Führer soll Sie auf Schillers Spuren in Rudolstadt und Umgebung begleiten und Ihnen Empfehlungen zum Rundgang geben. Besonderer Anlass war der 200. Todestag des Klassikers, um bei dieser Gelegenheit die Stadt Rudolstadt kennen zu lernen.

In 10 Jahren weilte Schiller in kürzeren und längeren Aufenthalten in Rudolstadt, und er hatte hier unbeschwerte, schaffensreiche Tage und Wochen aber auch schwere durch Krankheit gezeichnete Besuche. Schillers erste Aufmerksamkeit für Rudolstadt galt der Lengefeld-Beulwitzschen Familie, der er auf dem Weg von Meiningen nach Weimar im Dezember 1787 einen kurzen Besuch abstattete. Die Verbindung zur Familie führte schließlich zu Schillers Aufenthalt von Mai bis November 1788 in Rudolstadt und der von Schiller häufig besuchten und beschriebenen reizvollen Umgebung. In dieser Zeit vertieften sich die Beziehungen besonders zu Charlotte von Lengefeld, die er 1790 heiratete.

Durch die Treffen mit Wilhelm und Alexander von Humboldt und anderen literarischen, geistigen und gesellschaftlichen Persönlichkeiten - auch Goethe weilte nach seiner Italienreise mehrfach hier - wurde Rudolstadt für einige Jahre zu einem geistigen Mittelpunkt. Er hinterließ bis 1799 vielfältige Spuren, von denen bis heute noch einige in der ursprünglichen Form anzutreffen sind. Folgen Sie uns zu den einzelnen Etappen und lernen Sie die "Spuren Schillers" in und um Rudolstadt kennen.

Auf dem Anger beginnen Sie den Rundgang und finden als erstes
Das Theater

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Es wurde auf Veranlassung des fürstlichen Hofes als Sommertheater auf dem Anger 1793 eröffnet. Rudolstadt hatte Glück, dort mit großen Kunstschöpfungen bekannt gemacht zu werden. Unter anderem mit den dramatischen Werken von Goethe, Schiller und Lessing sowie den wichtigsten Mozartopern. Um so beschämender ist es, dass man in den letzten Tagen und Wochen beobachten konnte, wie eben dieses Theater bei den heutigen Landesherren geradezu um sein Überleben betteln muss. Aber die damalige Herrschaft hatte eben noch Sinn für Kunst und Kultur und wusste, dass man damit Ansehen und Beachtung genießt.schillerdenkmal_001_350.jpg

Bis zum Jahre 1816 sind 33 Aufführungen Schillerscher Werke zu verzeichnen, davon 22 durch die Weimarer Bühne die unter Goethes Leitung stand. Zu nennen sind "Don Carlos" (1794), "Kabale und Liebe" (1799) sowie "Die Räuber". In Schillers Anwesenheit wurde 1799 die gesamte Wallenstein-Trilogie aufgeführt.

An der Nordseite des Theaters finden Sie
Das Schillerdenkmal

Damit ehren die Rudolstädter Friedrich Schiller. Die auf einem Kalksteinblock angebrachte Metallplatte mit Schillers Portrait wurde vom Volkstedter Künstler Hugo Meisel geschaffen. Im Jahre 1960 wurde das Denkmal eingeweiht.

Ende des 18. Jahrhunderts fand eine Erweiterung der Stadt über die Stadtbefestigung hinaus statt. Die "Neue Gasse" wurde ausgebaut. Wichtige Schillerspuren finden Sie in dieser heutigen
Schillerstraße

Im Haus Nr. 1 befand sich das Gasthaus "Güldene Gabel", welches bis 1799 der führende Gasthof in Rudolstadt war. Als Schiller am 6. Dezember 1787 mit seinem Freund Wilhelm von Wolzogen erstmals in Rudolstadt Station machte, nahm er hier Quartier. Im Jahre 1788 hat Schiller hier erneut übernachtet, nur wenige Häuser vom Wohnsitz der Familie von Beulwitz-Lengefeld entfernt. Wahrscheinlich inspirierte der damalige Alleecharakter dieser Straße und der Blick auf das Lengefeldsche Haus, in dem seine angebetete Charlotte wohnte, Schiller zu dichterischem und wissenschaftlichem Schaffen.
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ehemaliges Gasthaus "Güldene Gabel"

Im weiteren Verlauf der Straße befindet sich das für Schillers Aufenthalte in Rudolstadt bedeutsame Haus Nr. 25. Frau Lengefeld zog nach dem Tod ihres Mannes 1775 mit ihren Töchtern Caroline und Charlotte in das mit dem Vorderhaus verbundene Hintergebäude ein. Das vordere Haus wurde später von Caroline bewohnt, die im Jahre 1785 den Hofrat von Beulwitz heiratete.

Das Haus wurde für einige Jahre geistiger Mittelpunkt der kleinen Residenzstadt, in dem man sich mit Kunst, Literatur und wissenschaftlichen Problemen beschäftigte. Hier begegneten sich am 7. September 1788 Schiller und Goethe zum ersten Mal, was allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht zu einer gesellschaftlichen und geistigen Annäherung der beiden Dichter führte. Von der Geselligkeit und geistigen Atmosphäre angezogen, trafen sich in diesem Haus und im Gartenhaus in der heutigen August-Bebel-Straße ungezwungen Angehörige von Adel und Bürgertum außerhalb der Hofetikette. Hier trafen sich häufig Charlotte von Stein, Charlotte von Kalb, Caroline von Dacheröden, Wilhelm von Humboldt, ebenso Prinz Ludwig Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt und andere Persönlichkeiten.

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Seit 1995 kümmert sich die Schillergesellschaft um die Erhaltung und Ausgestaltung dieses Gebäudes.

Der Weg auf Schillers Spuren führt weiter durch die Stiftsgasse zum
Alten Rathaus

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Altes Rathaus

 

Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde im Jahre 1524 gebaut.Der damals schlichte Bau wurde 1603 durch einen Turm gekrönt. Der nachträgliche Turmbau beeinflusste die Statik so sehr, dass der Turm in eine Schieflage geriet. Im Rathaus ist der deshalb nachträglich eingebaute Balken zur Stabilisierung heute im Original zu sehen. Auf diese Instandsetzung des Gebäudes ist die symmetrische, vierachsige Fensteranordnung zurückzuführen. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt auch die quadratische Haube. Die Glocke im Turm stammt aus der ehemaligen Lazaruskapelle.

Gut sichtbar an der Vorderseite ist die Rudolstädter Elle angebracht - das im 17. bis 18. Jahrhundert offizielle Längenmaß der Stadt. Es beträgt 56,4 cm oder zwei Fuß. Heute sind im Gebäude das Stadtarchiv und die historische Bibliothek zu finden. Sie bewahren Druckschriften und Autografen des 16. bis 19. Jahrhunderts sowie die Stadtgeschichte seit dem Mittelalter auf. Auch Werke und Schriften Friedrich Schillers finden sich hier.

Vom Alten Rathaus entlang der Kirchgasse, vorbei am Schulplatz gelangt man zur
Stadtkirche.

Sie befindet sich im ältesten Teil der Stadt. Auf den Grundmauern einer alten Wallfahrtskirche wurde die Stadtkirche St. Andreas in den Jahren 1634 bis 1636 erbaut. Vier Blitze, die in den Kirchturm einschlugen, waren für Schiller der Anlass, am Abend des 19. Juli 1788 den entstandenen Schaden zu besichtigen. Schiller war mehrmals auf dem Turm der Kirche, und im Glockenstuhl mit den vier Glocken interessierte ihn besonders die Glocke "Osana" mit ihrer lateinischen Inschrift. Ihre Übersetzung lautet:

Ein süßer Lied singe ich
Die Freuden der Heiligen künde ich
Die Hingeschiedenen beklage ich
Die Lebenden rufe ich
Die Blitze zerschlage ich

Diese Inschrift soll Schiller die Anregung zu seinem Lied an die Glocke gegeben haben.

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Stadtkirche mit Blick auf Rudolstadt

 

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 04. Dezember 2007 um 02:05 Uhr