Die Occupy-Bewegung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen Günsche   

Über Wege aus der Krise zu diskutieren und zu debattieren, halte ich für äußerst wichtig. Dies muss aber gesellschaftlich auf breiter Basis erfolgen. Leider ist das Interesse daran, wie im Artikel von Wolf Wetzel ausführlich beschrieben wurde, relativ gering. Dabei ist dies der weitaus spannendere Teil der ganzen Aktion, sich nicht nur zu empören sondern auch nach Lösungen zu suchen und, was noch wichtiger ist, diese Lösungen umzusetzen, auszuprobieren, zu lernen.

Viele (ich sag jetzt mal: sogenannte) Reiche und Vermögende sind doch selbst schon davon überzeugt, dass das bestehende System so nicht zukunftsfähig ist. Wir haben nämlich viel eher eine Vermögenskrise als eine Schuldenkrise, da das angehäufte Vermögen keinen wirklichen Gegenwert mehr hat. Was nützt es also dann, den Reichtum durch Zinseszins unendlich zu vermehren.

Es ist durchaus der Fall, dass es schon mühsam durchdachte Lösungsvorschläge für eine Änderung der gesellschaftlichen Strukturen gibt, sei es von unabhängigen Instituten, von Einzelpersonen und auch von Parteien. Eine breite Masse zu finden, die es braucht, diese Vorschläge legitim und demokratisch umzusetzen, ist wohl das Schwierigste. Wer tagtäglich um seine Existenz kämpfen muss, sei es in einem unterbezahlten Job, als Selbständige(r), als Arbeitssuchende(r), als Alleinerziehende(r) oder als Kombination einiger dieser Gruppen, hat wahrlich keine Energie, sich außerdem noch mit gesellschaftlichen Problemen und deren Beseitigung zu befassen.

Und der nicht selten anzutreffende niedrige Bildungsstand tut sein übriges. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen.

1989 hatte alles vielversprechend angefangen, eine Umwälzung auf breiter Basis demokratisch durchzuführen. Wer die Großveranstaltung am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz erlebt und überhaupt die ganzen Emotionen des damaligen Jahres durchlebt hat, weiß wovon ich spreche. Leider konnten einige Millionen reformwillige Ossis 60 Millionen bequeme Wessis nicht anstecken. Und außerdem war ein Medikament gegen die damals schon vorhandene gesellschaftliche Krankheit noch viel weniger entwickelt als heute. Dass aber eine gesellschaftsändernde demokratische Bewegung möglich ist, hat das Jahr 1989 wenigstens gezeigt.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. November 2011 um 23:33 Uhr
 

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